Seit wann gibt es "Berlin-Weißensee"

Seit wann gibt es >Berlin-Weißensee< ?

Sehr oft wird im Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwicklung Weißensees vom kleinen Dorf in der Nähe Berlins bis zu seiner heutigen Gestalt als Ortsteil der Großstadt die Frage gestellt, seit wann von >Berlin-Weißensee< gesprochen wird. Viele Gäste der Veranstaltungen des Vereins wissen oder haben davon gehört, daß die Stadt Groß-Berlin erst 1920 entstand und der Ort, der bis dahin zum Kreis Niederbarnim zählte, zu den Eingemeindeten gehörte. Es verwundert sie daher, daß man ihn nicht selten auch für davor liegende Jahre durch die Bezeichnung auf amtlichen Dokumenten, Poststempeln u.a. bereits als Teil von Berlin ansehen muß. Sogar streitbare Diskussionen haben sich manchmal daraus entwickelt.

Gut daher zu wissen, daß der Weg zur Stadt Groß-Berlin mehrere Schritte umfaßte. Die ersten liegen bereits viele Jahrhunderte zurück, sie nahmen ihren Anfang im 17. Jahrhundert, als auch außerhalb der Festungsmauern Landflächen für die Stadt gewonnen wurden und Vorstädte entstanden, die anfangs zumeist selbständige Gemeinden waren. Für Berlin selbst bedeutete dies, daß im Laufe der Zeit der Begriff >Berlin< immer komplizierter zu beschreiben war, weil der Gemeindeverband nicht übereinstimmte mit dem Gerichtsbezirk, noch weniger mit dem Polizeibezirk (der dazu noch in den engeren und den weiteren unterschieden werden mußte) usw. Die letzten größeren Erweiterungen der Stadt fanden 1861 (u.a. Moabit, Wedding und Schöneberger Vorstadt) sowie zuletzt zu Beginn der 80er Jahre mit der Anlage des Zentralviehhofes auf ehemals Lichtenberger Feldmark und der Übernahme der Jungfernheide ihren Abschluß.

Danach, besonders Hinblick auf die immer schneller sich abzeichnende Bevölkerungsentwicklung gab es mehrere Versuche, das Stadtgebiet weit über das bisherige “ Weichbild ” hinaus auszudehnen. Doch die meisten der Nachbargemeinden, inzwischen teilweise Städte mit florierender Wirtschaft und hohen Steuereinnahmen, verweigerten sich der Vereinnahmung durch die Hauptstadt. Erst nach langwierigen Verhandlungen entstand 1911 schließlich der >Zweckverband Groß-Berlin<, mit dem die in den Kreisen Niederbarnim und Teltow gelegenen Städte und Gemeinden erfaßt wurden. Vom 1. April 1912 an wurde die Minimallösung verwirklicht, und diese brachte zugleich die kaiserliche Anordnung, daß von nun an als Ortsbezeichnung z.B. anstelle Weißensee Kreis Niederbarnim nur noch

Berlin - Weißensee

gelte. Bereits acht Jahre früher als oft vermutet war Berlin die "Mutter" geworden. 1920 war es, trotz der auch hier noch wirkenden Widersprüche, ein vergleichsweise Leichtes, wesentliche - und ökonomisch besonders wertvolle - Teile der beiden Landkreise zu übernehmen. Danach folgende Versuche, durch weitere Ausdehnung die Stadtfläche der deutschen gegenüber anderen europäischen Hauptstädten herauszuheben, wurden schließlich auf “ später ” verschoben. Heute basieren Berlins Grenzen weitgehend auf dem Stand von 1920, wenngleich in den zurückliegenden Jahren - besonders während der Spaltung der Stadt und zuletzt 1990 - bemerkenswerte Veränderungen stattfanden. Die gegenüber den damaligen Prognosen geringer ausgefallene Entwicklung der Bevölkerungszahl läßt auch nicht erwarten, daß sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern wird.

Nun, besonders nach der vorerst letzten "Bezirksreform" hat sich herausgebildet, dass Polizei und Feuerwehr, nun jedoch auch Handelsbetriebe sowie manchmal auch andere Wirtschaftsunternehmen nur noch den Bezirksnamen verwenden und dabei übersehen, daß diese große Stadt doch aus einer Vielzahl kleiner und größerer Gemeinden entstanden ist und daher bis heute Kiezekennt und abgrenzt. Und diese haben neben anderen Eigenheiten oft auch Straßennamen, die anderswo in Berlin gleich lauten. Da ist es schon passiert, dass ein Senator am falschen Ort abgesetzt wurde. Vielleicht auch, dass die Feuerwehr oder der Rettungswagen deshalb verspätet am Notfallort eintraf. Oder dass ein Kunde den neu eröffneten Supermarkt ganz woanders suchte, als er wirklich war. Es ist deshalb keineswegs nur Lokalpatriotismus, wenn die traditionsbewussten Bewohner gegen das Verschweigen der "Kietzadresse" auftreten. Es kann ja schließlich auch lebenswichtig sein. Und sollte deshalb die Bezirke wie die einschlägigen Senatsdienststellen veranlassen, baldmöglich ein Umdenken einsetzen zu lassen.